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Alles Schöne dieser Welt…
Verfasst am 31. 07. 2017 von Wolfgang Veit  

Was hat Marco G. aus München nicht alles probiert: Acht Jahre lang testete er Aufbissschienen, Physiotherapie oder Selbstmassagen. Alles vergebens. Von seinem Leiden befreite ihn erst ein Medikament, das eigentlich aus der Schönheitschirurgie bekannt ist: Botolinumtoxin, besser bekannt auch als Botox. „Endlich, endlich Linderung!“ – berichtet er erfreut im Internet. Jeder, der wie Marco G. an Bruxismus  – dem nächtlichen Zähneknirschen – leidet, kann diesen Freudenruf nachvollziehen. „Jeder“ – das sind mehr als sieben Millionen Deutsche, bei denen Bruxismus in mehr oder weniger starker Ausprägung auftritt, mal ständig, mal auch nur vorübergehend.

Mit Botox gegen Bruxismus

Botolinumtoxin gegen Bruxismus

Als vor wenigen Jahren die ersten Bruxismus-Patienten mit Botoxinjektionen in den Großen Kaumuskel (Musculus Masseter) gegen ihr Leiden behandelt wurden, erregte dies zunächst noch kein großes Aufsehen. Doch mehr und mehr Zahnärzte wie etwa der Leverkusener Dentist Dr. med Markus Hemstege, Dr. Boris Sommer in Frankfurt oder die Zahnarztpraxis Christian Bärenklau in München  berichten von begeisterten Patienten, die nach langer Zeit schmerzfrei seien. Von einer „großen Erleichterung“ spricht auch Bodo Hoffmeister, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kieferchirurgie und Plastische Gesichtschirurgie an der Charité in Berlin – wenngleich er den Wirkungszeitraum der Botox-Injektion auf drei bis sechs Monate einschränkt. Zahnarzt Christian Bärenklau, der über seine Spezialisierung auf Zahnfleischlifting zur Botoxtherapie kam, bestätigt dies: „Mit Botox kann man sehr gezielt arbeiten; nach spätestens sechs Monaten sollte man aber die Anwendung auffrischen.“ Denn dann hat sich Botox im Muskel ziemlich vollständig abgebaut. Patienten wie Marco G. sind hierüber aufgeklärt. Sie scheuen auch die hohen, in vielen Fällen selbst zu tragenden Kosten nicht – für sie steht die Erleichterung vom ständigen Schmerz im Vordergrund:“Wer wirkliche Beschwerden hat, der ist dankbar dafür, seine Gesundheit und Ruhe wenigstens für einen bestimmten Zeitraum wieder zu erlangen“, postete der Bruxismuspatient im Internet.

Presseberichten etwa in der britischen Daily Mail, wonach die Botox-Behandlung aufgrund einer Studie an sieben Fällen einen Rückgang des Kieferknochens verursacht habe, kann Experte Christian Bärenklau entschieden entgegen treten: „Das ist natürlich Unsinn und keinesfalls belegt“, so der Münchner Zahnarzt. „Die Gabe von Botox gegen Bruxismus ist wissenschaftlich fundiert“. Seit belgische Neurologen 1990 im „Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatrie“ erstmals über eine erfolgreiche Botox-Behandlung gegen Zähneknirschen berichteten seien über 200 Studien und kontrollierte Einzelfall-Schilderungen dokumentiert worden. 2012 erfolgte schließlich eine sogenannte Meta-Analyse der Botox-Therapie gegen Bruxismus, und zwar durch ein chinesisches Forscherteam. Dabei wurden die Erfahrungen aus vielen tausend Botox-Behandlungen bei Zähneknirschern zusammengefasst und analysiert sowie im „International Dental Journal“ vorgestellt. „Botox reduziert die Frequenz des Zähneknirschens, das konnte hiermit bewiesen werden“, so Zahnarzt Bärenklau, der natürlich „die Skepsis gegenüber neuartigen Anwendungen nachvollziehen kann.“
Wichtig für Patienten wie Marco G. ist auch, dass die Studien gezeigt haben: Die Botoxtherapie hat bei korrekter Anwendung so gut wie keine Nebenwirkungen, mal abgesehen von den Unannehmlichkeiten der Injektion. Auch das Beißen oder Kauen ist, entgegen vieler Postings im Internet, bei der richtigen Dosierung nach wie vor ohne Einschränkung möglich. Botolinumtoxin wird nach einigen Monaten vom Körper vollständig abgebaut. Das ist auch der Grund, warum die Behandlung nach einiger Zeit wiederholt werden muss – sofern der Bruxismus, dessen Ursache oft Stress ist, bis dahin nicht geheilt ist. Natürlich ist wichtig, dass der anwendende Arzt Erfahrung im Umgang mit Botox hat. Manche Patienten, berichtet Christian Bärenklau, „haben nur einen schwachen Kaumuskel, da gebe ich natürlich eine geringere Dosis. Ein ausgeprägter Bruxismus erfordert dagegen eine höhere Gabe.“ Statements wie jenes von Marco G. hält Bärenklau für authentisch. „Mein Leben“ schreibt der Bruxismuspatient, „ist nach acht Jahren endlich besser geworden.“