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Alles Schöne dieser Welt…
Verfasst am 08. 04. 2015 von Wolfgang Veit  
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Teil 3 unserer Serie über den ersten Motorradurlaub in Armenien führt uns nun von Jermuk wieder zurück in die Hauptstadt Yerevan – und von dort aus in die Heimat: Gut geschlafen, schlecht gefrühstückt. So könnte man es zusammenfassen bevor wir uns wieder auf unsere Motorräder setzten. Jermuk außerhalb der Saison sollte man besser meiden. Das tolle Wetter, der tiefblaue Himmel und die intensiven Farben in Kombination mit dieser absolut sensationellen Kurvenorgie zurück zur M2 entschädigten uns aber mehr als über Gebühr.

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Es grüßt der Iran

Auf der Nord–Süd Verbindung geht es dann zurück Richtung Yerevan. Faszinierend die Lastwagen mit iranischem Kennzeichen, alles Modelle der Marke MACK, keiner jünger als 30 Jahre, die sich mit abgefahrenen Reifen vollkommen überladen gegen Norden quälen. Auf unserem Weg zurück in die Hauptstadt machen wir noch einen Abstecher nach Norawank, einer der beeindruckensten Klosteranlagen Armeniens, am Ende eines 10 KM langen Canyons gelegen. Allein schon die Motorradfahrt durch den Canyon mit seinen roten Wänden, die man glaubt vom Motorrad aus berühren zu können, ist diesen Abstecher wert. Am Ende der Schlucht windet sich die Straße dann in steilen Serpentinen zum Kloster hinauf. Der Anblick des Klosters und die Aussicht auf die ehemaligen Wohnhöhlen der Mönche sowie die weite Landschaft lassen uns ausgewachsene Motorradurlauber wie kleine Buben mit offenem Mund dastehen und genießen. Wir erforschen die gut erhaltene Anlage und schmunzeln über alte, in traditionellen Gewändern gekleidete Männer, die sich Informationen über das Kloster auf ihrem IPAD abrufen.

Grillerlebnis am Kloster

Am Ausgang des Klosters dann ein verführerischer Duft. Es riecht nach Chorowatz und wir folgen unserer Nase bis wir in der, in einen Felsen geschlagene, Küche eines Restaurants stehen. Der Koch oder besser gesagt Grillmeister zeigt uns stolz seine mit Fleisch vollen Spieße und lädt uns auch gleich ein, am Küchentisch Platz zu nehmen und sein Werk zu verkosten. Es schmeckt einfach himmlisch und als wir zahlen wollen, die fast schon übliche Diskussion. Nein, wir könnten nicht bezahlen, er hatte uns ja eingeladen – ja, wir wollen aber bezahlen, schließlich kennen wir einander nicht, werden uns wahrscheinlich auch nie mehr wieder sehen, sind in einem Restaurant, und wenn es auch nur die Küche ist und überhaupt, wir wollen uns erkenntlich zeigen. Wir einigen uns schließlich darauf, dass wir ihm die Photos, die wir von ihm machten sowie all die Selfies, schicken. So gestärkt und in dem Gefühl, einen neuen Freund gefunden zu haben, machen sich die beiden Motorraduraluber auf, die letzten 150 KM nach Yerevan in Angriff zu nehmen.

Motorradurlaub live: wir cruisen

Wir verzichten auf das Vergnügen, die engen Straßen und Wege, die parallel zur Hauptstraße laufen, zu befahren sondern cruisen auf der M2 durch die bizarre Gebirgslandschaft, kosten den Fahrspaß in den lang gezogenen Kurven aus und wundern uns immer wieder, was alles an motorisierten „Etwas“ da durch die Landschaft kriecht. Trucks, bei denen einer der beiden Zwillingsreifen fehlt, Wolgas in deren Kofferraum Schafe transportiert werden, Lada Nivas mit komplett schwarzen Scheiben, dafür aber tiefer gelegt und dazwischen Porsche Cayenne, Mercedes G und BMW X5. Entlang der türkisch – armenischen Grenze, den im Sonnenuntergang orange glänzenden und schneebedeckten biblischen Berg Ararat im Blick, nähern wir uns dem Ende dieser großartigen, unvergesslichen Tour.

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Wohlbehalten und unverletzt kommen wir in unserem Hotel an. Wir retournieren unsere Motorräder mit Wehmut. Es hat Spaß gemacht, diese nicht mehr ganz jungen, aber exzellent gewarteten Yamahas zu bewegen. Sie sind in der Tat das perfekte Zweirad für dieses Land. Ein letztes armenisches Abendessen, ein letztes Kilikia-Bierchen und dann ab ins Zimmer um vor dem Heimflug um 04.25 zumindest noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Am Zimmer dann eine letzte Überraschung. Als Dankeschön des Motorradverleihs für jeden eine Flasche Ararat Cognac, 7 Jahre gereift, der schon Winston Churchill begeisterte.
Bei soviel Herzlichkeit und Gastfreundschaft fällt das Abschiednehmen nicht leicht aber es bestärkt uns in unserer Gewissheit, wiederzukommen. Vielleicht als Teilnehmer einer der Laufurlaube in Armenien, die ebenfalls von F.I.T. Sporturlaub angeboten werden. Die Leute dieses Reiseveranstalters verstehen es auf alle Fälle, die Schönheit und Einzigartigkeit dieses Landes, gepaart mit den Erwartungen der Touristen, perfekt in Einklang zu bringen. Ein großes Danke dem Team von F.I.T. Sporturlaub für die Organisation dieser unvergesslichen, beeindruckenden Reise.