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Alles Schöne dieser Welt…
Verfasst am 19. 03. 2015 von Wolfgang Veit  
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Eine Tour voller Überraschungen, Skurrilitäten und Abenteuer – ein Motorradurlaub in Armenien ist alles außer gewöhnlich. An meinen ersten Motorradurlaub erinnere ich mich gut – schon die Einladung kam überraschend, kurzfristig und unerwartet. Ein Freund fragte mich, ob ich denn nicht Lust hätte, ihn auf einer Motorradtour durch Armenien zu begleiten. Im ersten Moment dachte ich mich verhört zu haben, aber an meinem verwunderten Blick konnte Christian wohl ablesen, was mir gerade durch den Kopf ging…Motorradurlaub Nostalgie

Kann man Motorradurlaub in Armenien machen?

Ja, nach Armenien wiederholte er mit fester Stimme und sehr überzeugend. Wo ist dieses Land, ist dort nicht Krieg, und wenn nein, ist es trotzdem sicher? Kann man dort überhaupt Motorrad fahren, geschweige denn Motorradurlaub gibt´s dort vernünftige Hotels, was essen die Leute dort, wie komme ich überhaupt hin, benötige ich ein Visum, wer hilft mir im Falle eines Unfalls und, und, und. Fragen ohne Ende schossen mir durch den Kopf aber je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr reizte mich die Idee, dieses unbekannte, exotische Land auf dem Motorrad zu entdecken zumal mein Freund einerseits viele Jahre in Armenien gelebt hat und andererseits handwerklich geschickt genug ist, im Falle eines Gebrechens das Motorrad mit Hammer und Zange zumindest so weit wieder zu flicken, dass wir bis zum nächsten Hotel kommen.

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Nach etlichen Stunden Internet Recherche zum Thema „Was brauche ich für einen Motorradurlaub“, Telefonaten mit der deutschen Botschaft in Yerevan (der armenischen Hauptstadt!) sowie der armenischen Botschaft in Wien bezüglich Fragen der Sicherheit eines Motorradurlaubs in Armenien ging es dann einige Wochen später wirklich los. Die Motorradstiefel an, den Helm im Handgepäck und die Funktionsjacke lässig um die Schultern gehängt bestiegen wir in Wien den Flieger nach Yerevan. Eine gewisse Aufmerksamkeit war uns Motorradurlaubern in spe beim Betreten des Fugzeuges sicher.  Wir hatten uns, nicht ganz freiwillig, für einen Nachtflug nach Yerevan entschieden, Tagflüge gibt es nämlich mehr oder weniger nicht. Die Flugzeiten haben aber den großen Vorteil, mit einer minimalen Anzahl von Urlaubstagen eine maximale Anzahl von Motorradurlaubstagen vor Ort zu haben. Wir flogen Donnerstag spät abends weg und Montag zeitig in der Früh wieder retour. Durch die Zeitverschiebung konnten wir sowohl den ganzen Donnerstag als auch den ganzen Montag noch arbeiten.

Nach etwa 3 Stunden Flug erreichten wir gegen 03.30 Ortszeit Yerevan. Die Passkontrolle war trotz unseres exotischen Aussehens schnell und unbürokratisch zumal man als Bürger der europäischen Union kein Visum braucht. Das Gepäck war nach kurzer Zeit auf dem Band und auch die Zollbeamten waren um diese Uhrzeit viel zu müde, um sich wegen unserer zwei kleinen Taschen in Bewegung zu setzen. Nach der Zollkontrolle wartete unser Fahrer mit einem Schild und unseren Namen darauf auf uns.

Motorradurlauber – und Nichtraucher

Beim Durchschreiten der Zollkontrolle bekamen wir einen ersten Eindruck von dem Land, das wir in den nächsten Tagen auf zwei Rädern erkunden wollten. Viele schwarzhaarige Menschen, in erster Linie Männer mit finsterem Blick, alle in schwarz gekleidet starrten uns an. Auch unser Abholer war einer von ihnen, aber als wir uns zu erkennen gaben, wich sein finsterer Gesichtsausdruck einem freundlichen Lächeln. Er packte unsere zwei Taschen und stapfte Richtung Parkplatz davon, wir hinterher. Kaum aus dem Terminal draußen, machte er kurze Rast, um sich eine seiner armenischen Zigaretten in den Mund zu stecken. Höflich bot er uns was zu rauchen an, dankend lehnten wir ab, was mit einem verständnislosen Kopfschütteln quittiert wurde. Beim Auto, einem Lada, angekommen, verfrachtete er unsere Gepäcksstücke auf die Rückbank. Wir schauten uns verwundert an, warum er denn die Taschen nicht im Kofferraum verstaut und auf unsere Frage öffnete Arman, so der Name unseres Fahrers, den Kofferraumdeckel. Und dann war klar, warum wir auf den Taschen sitzen mussten. Der Kofferraum war voll mit einem Gastank da auch unser Lada, sowie die meisten Autos in Armenien, mit Gas fuhr. Im Auto selber roch es fürchterlich nach den armenischen Zigaretten und  wir waren froh, zu wissen, dass wir die nächsten Tage an der frischen Luft verbringen würden. Durch das verschlafene Yerevan ging es in der Morgendämmerung zum Hotel wo wir uns vor Übernahme der Motorräder noch ein paar Stunden Schlaf gönnten.

Alle machen einen zufriedenen Eindruck

Die Fahrt dauerte keine 20 Minuten. Das Hotel lag im Zentrum der Stadt und die Zimmer waren top. Schönes Bad mit Dusche, vernünftiger Wasserdruck, kostenloses WLAN, eine schön gefüllte Minibar und wirklich angenehme Betten. So lass ich mir die ersten Stunden eines Motorradurlaubs gefalenn. Wir schliefen schnell ein und wachten gegen 09.00 Früh, obwohl wir nur 4 Stunden geschlafen hatten, frisch und erholt auf. Nach einer Dusche die nächste positive Überraschung. Ein tolles Frühstückbuffet, teils kontinental, teils armenisch mit frischem Obst und Gemüse, Müsli, Wurst, Käse u.s.w. erwartete uns. So gestärkt verließen wir unser Hotel und begannen die Stadt zu erkunden. Es war unglaublich, was für ein mediterranes Gefühl von dieser Stadt ausging. Tische und Sessel vor den Kaffeehäusern auf den Straßen, der Duft von frisch gemachtem Kaffee in der Luft, rauchende und diskutierende Leute auf den Plätzen, keiner scheint es wirklich eilig zu haben und alle machen einen zufriedenen Eindruck.
Motorradurlaub Rast

Motorradurlaub: Unser Abenteuer beginnt!

Um 14.00 war Treffpunkt in unserem Hotel. Arman war auch wieder da, um uns in die Garage zu führen, wo wir unsere Motorräder übernehmen sollten. 30 Minuten Fahrt durch den chaotischen Nachmittagsverkehr Armeniens Hauptstadt und Zweifel überkamen uns, ob wir das Abenteuer „ Bike the Unexpected – Bike Armenia“ wirklich wagen sollte. Warum nur musste es ein Motorradurlaub sein -und keine Erholung an einem Badestrand? Denn soviel war klar, es würde eine ganze Menge Unerwartetes auf uns Motorradurlauber zukommen. Das würde schon mit dem Interpretieren der Verkehrsvorschriften beginnen. Wer nimmt da schon Rücksicht auf zwei mitteleuropäische Motorradurlauber? Übrigens gibt es in Armenien jede Menge Kreisverkehre und im Gegensatz zu uns hat der in den Kreisverkehr Einfahrende Vorrang  – zumindest theoretisch.

Alles freundlich, alles gut, alles top!

Bei der Garage angekommen gibt es einen herzlichen Empfang für die beiden Motorradtouristen durch Arsen und seinen Vater, so als wären wir alte Freunde. Stolz öffnen sie die Tür zu ihrer Garage und uns bleibt der Mund offen. Neben den Yamahas XT660, die für uns bereit stehen, steht eine Yamaha V-Max in mitten anderer Modelle namhafter Hersteller. Der Boden glänzt, es ist klinisch sauber und zusammengeräumt und auch die Bikes sehen trotz ihrer Jahre fast wie neu aus. Zudem finden wir auch ein umfangreiches Ersatzteillager vor. Arsen weist uns unsere Untersätze für die nächsten beiden Tage zu und wir schieben sie vorsichtig durch das Garagentor. Helm auf, aufsteigen, Vorfreude genießen und Starter betätigen. Sofort läuft der Motor rund und sein Sound erfüllt den Garagenhof wie Musik.

Sehen, wie das Baby reagiert!

Vorsichtig Gas geben und die Kupplung kommen lassen um zu sehen, wie das Baby reagiert. Und wie es reagiert! Wir drehen ein paar langsame Runden im Hof, testen Bremsen und Stoßdämpfer und schauen, wie unser Spielzeug auf Richtungswechsel bzw. Gewichtsverlagerung reagiert. Alles bestens! Wir unterschreiben den Mietvertrag oder zumindest das, was Arsen als solchen bezeichnet und hängen uns an die Stoßstange von Armans Lada, um wieder zurück ins Hotel zu gelangen. Ängstlich reihen wir uns in den Abendverkehr ein und kommen schon nach wenigen Metern drauf, wie rücksichtsvoll die armenischen Autofahrer gegenüber Motorradfahrern sind. Den Grund erfahren wir wenig später von Arman. Motorradfahrer sind Armenien genauso exotisch wie grüne Marsmännchen bei uns. Nachdem die Armenier also nicht wissen, wie Motorradfahrer reagieren, halten sie einen großen Respektabstand. Irgendwie kommt man sich vor, wie von einer unsichtbaren und undurchdringbaren  Mauer umgeben. Wohlbehalten im Hotel angekommen tauschen wir unsere Motorradklamotten gegen ein Paar Jeans aus und folgen der Einladung Arsens ins das Restaurant Tava (auf Deutsch Pfanne). Das Lokal liegt keine 10 Gehminuten von unserem Hotel entfernt und besticht durch vorzügliche armenische Küche mit starkem Einfluss aus der levantinischen Küche. Kein Wunder, ist doch der Koch Armenier mit syrischen Wurzeln. Alt werden wir an diesem Abend nicht, war doch der Tag ziemlich lang und die Nacht davor eher kurz…

Motorradurlaub in Armenien: was wir erlebten…

…erfahrt ihr im nächsten Artikel!