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Alles Schöne dieser Welt…
Verfasst am 22. 03. 2015 von Wolfgang Veit  
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Im ersten Teil unserer Serie über unseren ersten Motorradurlaub in Armenien habe ich euch erzählt, wie es überhaupt dazu kam, dass ich mit einem Spezl nach Armenien aufgebrochen bin – ausgerechnet Armenien, schließlich gibt es Dutzende anderer „Sehnsuchtsziele“ für Motorradurlauber. Nun schildere ich euch die Etappe vom Sevansee bis Jermuk – wünsche euch viel Spaß beim Lesen. Und übrigens: das Motorradabenteuer könnt ihr auch buchen!

Motorradurlaub Pass Bitumen

Motorradurlaub: Das Abenteuer beginnt!

Am nächsten Morgen, nach einem ausgezeichneten Frühstück geht es los mit unseren Maschinen Richtung Sevan See. Der See liegt über 2000 Meter hoch im Nordosten von Yerevan. Die Strasse aus der Stadt hinaus führt dreispurig bergan ehe sie sich beim Ortsende von Yerevan auf 2 Spuren verjüngt. Das Ortsende ist übrigens durch einen sehr markanten, riesigen Adler gekennzeichnet. Über eine großartig zu fahrende, kurvenreiche Strasse geht es gegen die Berge. Speziell am Anfang, wenn man mit dem Motorrad noch nicht so gut Freund ist, ist das der richtige Untergrund, um mit dem Gerät vertraut zu werden. Nach ungefähr 45 Minuten Fahrt taucht vor uns der See auf. Wundervoll glänzt die glatte Oberfläche in der Sonne, ringsum liegen noch die Schneereste des letzten Winters und an der Strasse stehen die Fischverkäufer mit ihrem frischen Fang. So stellt man sich den idealen Beginn eines Motorradurlaubs vor! Wir fahren ein paar Kilometer am Strand entlang und biegen dann auf die Halbinsel Sevanavank ab. Auf dieser Halbinsel, die noch vor 100 Jahren eine ganze Insel war, liegt hoch über dem Wasser ein ehemaliges Kloster. Durch exzessive Bewässerungspolitik während der Sowjet Zeiten ist der Wasserspiegel dramatisch gesunken. Außer den Ruinen der Bibliothek, des Speisesaals und der Schlafräume ist noch die Kirche erhalten. Wir parken unsere Bikes und stapfen die Stufen hinauf zum Eingang der Anlage. In der Kirche findet gerade eine Taufe statt und für alle Anwesenden, egal ob geladen oder nicht geladen, gibt es Chorowatz in Fladenbrot gewickelt. Auch wir bekommen was und freuen uns über diese unerwartete, aber durchaus passende Brotzeit.

Motorradurlaub Passstraße

Herausforderungen: Schlaglöcher und Serpentinen!

So gestärkt geht es auf der selben Strasse wieder ein paar Kilometer zurück Richtung Yerevan ehe wir am Ende des Sees nach Südosten abbiegen. Immer dem Seeufer entlang, leicht bergauf und bergab mit sanften Kurven gespickt führt die Strasse entlang von dem Verfall preisgegeben ehemaligen Luxushotels aus der kommunistischen Zeit und Bauruinen von niemals fertig gestellten Projekten nach Martuni. Die größte Herausforderung auf dieser Strasse ist es, in keines der zahlreichen, unangekündigten Schlaglöcher einzutauchen. Martuni hat nicht wirklich viel zu bieten, außer einer ganz hervorragenden Bäckerei, die in einem „Magazin“ (zu Sowjetzeiten der Supermarkt), untergebracht ist. Kurze Pause dort um das noch warme Bakhlava zu genießen und weiter geht es. Wir verlassen die M10 und jetzt beginnt der wahre Spaß. Auf einer engen, serpentinengeschmückten und sehr verkehrsarmen Straße erklimmen wir den Selim Pass. Links und rechts der Strasse nichts als Weite und Berge. Die klare Luft flimmert am Horizont und irgendwie überkommt einen plötzlich der Gedanke – so muss es sein wenn man der einzige Mensch auf Gottes Erden ist. Kurz nach der Passhöhe liegt sie direkt neben der Strasse, die Karawanserei aus dem 16.Jhdt. Hier, an der alten Seidenstrasse, die eben über diesen Pass führte, machten die fahrenden Händler schon vor Jahrhunderten halt um sich und ihren Tieren nach dem anstrengenden Aufstieg eine Rast zu gönnen bzw. die Nacht dort zu verbringen. Gut kann man sich noch vorstellen, wo die Händler, wo die Tiere und wo die Ware untergebracht war. Spektakulär ist die Aussicht von dem Platz vor der Karawanserei, wo auch heute noch fahrende Händler ihre Waren anbieten. Wir sehen, was uns auf den nächsten Kilometern erwartet und das lässt unser Herz höher schlagen. Kurven, Kurven und wieder Kurven und zu all dem weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer.
Motorradurlaub Rast Natur

Motorrad-Abenteuer in vollsten Zügen: Kurven, Kurven, Kurven

Rauf auf unsere Enduro und Gas – so stellt man sich Motorradfahren vor. Ziel unserer letzten Etappe für heute ist Jermuk, ein schon zu Sowjetzeiten bekannter und geschätzter Kurort in 1800 Meter Seehöhe. Wir genießen das vorher nur Gesehene in vollsten Zügen, legen uns in die Kurven, bremsen und beschleunigen, haben einfach Spaß an diesem Meisterwerk von Straßenbau für Motorradfahrer. Alles Schöne hat einmal ein Ende und so mündet auch diese Strasse schlussendlich in die M2, die Strasse vom Norden des Landes in den Süden, in Richtung Iran. Hier wird auch der Verkehr etwas mehr, ohne allerdings jemals bedrohlich zu werden. Zum Glück haben wir auf diesem Stück nicht allzu viele Kilometer zurückzulegen und es geht wieder in die Berge. Wie schon zuvor, enge Serpentinen, viele Kurven, kurze Geraden. Ein absoluter Fahrspaß auch auf den letzte Kilometern des heutigen Tages. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, nach etwa 280KM, kommen wir in Jermuk an. Unser Hotel ist gut versteckt, aber der freundliche Taxifahrer vom Hauptplatz nimmt uns ins Schlepptau und führt uns zu unserem Domizil für diese Nacht. Als wir ihn dafür entlohnen wollen, wirkt er fast beleidigt. Mit Händen und Füßen erklärt er uns, dass es doch selbstverständlich sei, Fremden zu helfen und er dafür auf keinen Fall Geld nehme. Wieder einmal ein Beispiel der einzigartigen armenischen Gastfreundschaft.

Die heiße Vorfreude auf ein kaltes Bier!

Gepäck runter vom Motorrad und in Vorfreude auf ein kaltes Bier hinein ins Hotel. Mit dem Schlüssel hinauf ins Zimmer, einfach und zweckmäßig, sehr sauber und was speziell mir immer wichtig ist, eine geräumige Dusche mit vernünftigem Wasserdruck. Frisch geduscht gehen wir an die Hotelbar und dann, die Enttäuschung – kein Bier. Ungläubig starren wir den jungen Mann hinter der Bar an. Der lächelt freundlich zurück. Nach kurzem Unverständnis unsererseits verschwindet der Bursche wortlos und lässt uns mit offenem Mund stehen. Christian und ich schauen uns ungläubig an und bevor wir noch anfangen konnten, unserem Unmut Luft zu machen, war Gor, so hieß er nämlich, mit einer Kiste voll mit eiskaltem Kilika zurück. Er war einfach in das nächste Geschäft, das wir bei der Ankunft gar nicht gesehen hatten, gegangen, um Bier zu holen. So löst man in Armenien Probleme bzw stellt seine Gäste zufrieden. Während wir an der Bar unser Bier trinken, macht sich Hunger bemerkbar.
Motorradurlaub Still

…doch nun nagt der Hunger!

Ob es ihm Hotel was zu essen gibt, wollen wir wissen. Leider nein die Antwort, die Küche ist geschlossen da außer uns nur ein weiters Zimmer vermietet ist. Auch kein Problem dachten wir, dann essen wir eben auswärts. Wir trinken aus und machen uns auf die Suche nach einem Restaurant oder ähnlichem. Nach einer guten Stunde erfolglosem Herumirren beschließen wir, eines der beiden von außen sehr mondän aussehenden Hotels zu besuchen um dort im Restaurant Abend zu essen. Durch die Drehtüre kommen wir in eine mit Marmor und dunklem Holz ausgekleidete, menschenleere Lobby. Es ist absolut still in dieser großen Halle, so als wäre das Hotel offen, beherbergt aber keine Gäste. Wir schauen uns um, suchen die Rezeption und entdecken einen Security Guard. Nachdem niemand anderer anwesend zu sein scheint, fragten wir ihn, wo denn das Hotelrestaurant sei. Gott sei Dank spreche ich so viel russisch, das wir uns verständlich machen können. Leider aber nicht so viel, dass ich seine Antwort verstehe. Das bekommt er mit und deutet uns, hier zu warten. Er dreht sich um, greift zum Telefon und verhandelt auf armenisch mit dem Teilnehmer am anderen Ende.

Auch dieses Problem wird auf armenisch gelöst…

Das Gespräch ist schnell beendet. Er dreht sich zu uns und meint, für 4000 armenische Dram (ca. 8 Euro) könnten wir hier was zu essen und trinken bekommen. Allerdings müssten wir gleich jetzt bei ihm bezahlen, was wir auch machen. Fein denken wir und wollen los als er uns zurückhält und uns deutet, ihm zu folgen. Wir hatten in Jermuk schon etliche Sonderheiten erlebt so das wir uns hier schon gar nicht mehr wundern sondern dem Security Guard folgen. Er führt uns durch eine Tür mit der Aufschrift „staff only“ durch lange Gänge, vorbei an Lagerräumen und durch die Küche in die Garderobe des Hotelrestaurants. Dort macht er uns mit dem Koch bekannt und stellt uns den Kellnern vor. Einer der Kellner führt uns an einen Tisch, weit weg von allen anderen Gästen. Uns ist schnell klar, warum wir so weit von allen anderen gesetzt wurden Das Restaurant ist eigentlich nicht für Gäste von draußen gedacht sonder nur für Hotelgäste und die waren allesamt auf Rehabilitation hier. Wir sind also in einer Kuranstalt gelandet und die 4000 Dram teilen sich der Security Guard, der Koch und unser Kellner. Ein unerwarteter und willkommener Nebenverdienst für alle Beteiligten. Das Essen ist dem einer Kuranstalt würdig, sehr mild und farblos aber zumindest warm und wir sind am Ende des Abends satt. Nach dieser für uns sehr amüsanten Erfahrung gehen wir zurück in unser Hotel wo an der Bar ein zumindest in Armenien sehr bekannter Sänger für ein schon leicht angeheitertes russisches Paar seine Lieder zum besten gibt. Wir bevorzugen es, die drei allein zu lassen und gehen auf unsere Zimmer. Schließlich haben wir am nächsten Tag wieder fast 300 KM vor uns…
(Fortsetzung folgt!)